Der Text ist ein Erfahrungsbericht und eine Art der Verarbeitung. Der Titel ist mit vielleicht böser Absicht so gewählt. Außerdem schadet ein bisschen Pathos sicherlich nicht.
Dieser Gedanke bewegt mich schon etwas länger, da oft in verschiedenen Diskussionen das Denken der Diskutierenden von einer starken Absolutierung, von einer Letztgültigkeit und Letzterkenntnis ausgeht, die erreicht wurde und auch endgültig steht. An für sich kann man natürlich annehmen, dass es eine endgültige Erkenntnis gibt, nur ist es eher so, dass diese sehr unwahrscheinlich sowie schwierig zu erreichen ist. Die Probleme müssen hier nicht diskutiert werden, dennoch ist es so, dass das Denken in diesen Kreisen von dieser Überzeugung geleitet wird, obwohl diese eigentlich nicht erreicht wurde. Das mag auch theologische Gründe haben. Diese sollen hier aber nicht diskutiert werden. Der Autor verfolgt einen anderen Ansatz: das Denken ist totalitär geprägt. Diese These soll im Folgenden angerissen werden.
Der Autor versteht unter totalitärem Denken, eine Art zu denken, die absolut in ihrer Letztgültigkeit ist und der Weg zu dieser auf Prämissen basiert, die nicht überprüfbar sind, aber trotzdem so behandelt werden, als ob sie wissenschaftliche Hypothesen wären, da sie gerne „wahr“ wären. Darunter fallen auch Argumentationen, die sich an wissenschaftlichem Denken anlehnen, dasselbe aber im Kern nicht verstehen, da schlicht und ergreifend zu einfach gedacht wird. Zum Teil wird auch nicht ergebnisoffen, was ein wissenschaftliches Kriterium wäre, diskutiert. Wenn argumentativ ein Ergebnis erreicht werden soll, dann ist es trotzdem, obwohl die Beweisführung logisch korrekt ist, nicht mit Notwendigkeit eine letztgültige Wahrheit. Nun wird in den besagten Kreisen oft mit dieser Einstellung diskutiert: zu einer Letzterkenntnis zu gelangen, die unumstößlich ist. An für sich ist das irgendwo ja auch ein Sinn einer Diskussion, nur kann man als Mensch trotzdem sein Gegenüber mit seiner Meinung stehen lassen, auch wenn die Ansichten, die dieser vertritt, nicht deckungsgleich mit den eigenen sind. Hier kommt das totalitäre Denken zum Einsatz. Das Gegenüber wird sich entweder der eigenen Meinung anschließen müssen, oder er ist „im falschen“. Dadurch wird der Mensch auch darauf reduziert, ob er die „richtige“ Meinung hat, oder nicht.
Es ist in diesen Kreisen wichtig, dass alle die gleiche Meinung haben: es gibt sogar eine religiöse Verklärung dieses „Wertes“ der Gleichförmigkeit, einer in Teilen ganz sublimen, in Teilen ganz plumpen Form des Konformismus. Mit einer „Gleichschaltung“ des Denkens ist jedoch nichts erreicht, eine Gleichschaltung ist sogar eher gefährlich. Veränderung und Weiterentwicklung, in einer sich ständig wandelnden Umwelt, ist nur möglich, wenn es möglich ist, anderes zu denken, auch vielleicht etwas anders zu denken, als es bisher gedacht wurde, vielleicht könnte man das Wörtchen „Denkverbot“ hier einbringen. Um es mit Luhmann zu sagen: "Man will immer das Gute, aber es kann sein, dass man sich irrt" (Gesellschaft der Gesellschaft, 1997). Diese Erkenntnis, diese Art von Relationalität in seinem Denken zu verinnerlichen, ist eine intelektuelle Leistung, die nicht unterschätzt werden sollte. Es ist heute aufgrund der großen Menge an gesellschaftlichem Wissen, schwierig möglich, zu einer Übereinstimmung zu kommen, oder auch überhaupt ein intersubjektives Verstehen zu erreichen. Das haben viele große Denker an verschiedenen Stellen bewiesen. Dennoch wird in diesen Kreisen versucht, auf einem sehr viel niedrigeren Niveau, diese Erkenntnis zu leugnen.
Der Gedanke wird an anderer Stelle sicherlich weiter ausgeführt werden. Hier sollte nur ein kleiner Einblick in das sogenannte „mennonitische“ Denken gegeben werden, der sich auch in anderen Beiträgen der „zweiten Reihe“ niederschlagen wird. Der Beitrag wird auch als Gedankenanstoß verstanden, den der eine oder andere Leser vielleicht fruchtbar in seine eigene Anschauung hineinarbeiten kann.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen