Mittwoch, 21. Oktober 2009

Das kollektive „Wir“ oder: Die Kultur des Schlechten Gewissens

Ein gern genutztes Stilmittel für Moralpredigten, welches ich noch gut aus meiner Mennonitenzeit kenne, ist das kollektive „Wir“. Wenn man in der Kirchenbank saß, Männlein und Weiblein meist klar getrennt, hörte man dieses Wort oft von der Kanzel schallen. „Wir haben uns so weit von Gott entfernt“, sagte der Prediger zum Beispiel. Wir?? Da überkam es mich siedendheiß: Damit bin ja auch ich gemeint!
Die manipulative Kraft dieses „Wir“ ist nicht zu unterschätzen.
Wenn Sie das nächste Mal eine Predigt hören, achten Sie einmal darauf, wie sich unbemerkt mit dem kleinen Wörtchen „wir“ der Generalverdacht einschleicht.

1 Kommentar:

  1. Wie soll die Zuhörerschaft denn sonst angesprochen werden? Mit einem "Ihr" oder "Du" wäre der Zuhörer doch auf die gleiche Weise "manipuliert". Vielleicht bin ich auch einfach nur nicht klug genug, um diesen Text zu verstehen...

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